Sexualpädagogik

Seit dem Schuljahr 2005 findet jährlich ein mehrtägiges Seminar für die neunten Jahrgangstufen zum Thema Sexualpädagogik statt. Ausschlaggebend hierfür war die Initiative einer Mitarbeiterin der AWO -Familienberatungsstelle in Eutin. Sie arbeitet dort als Beraterin in dem Bereich Schwangerschaftskonfliktberatung und Bundesstiftung „Mutter und Kind“. Dort beschäftigte sie sich zunehmend mit Fällen von schwangeren Schülerinnen im Alter von 13 bis 15 Jahren. Sie nahm daher Kontakt zum Mitarbeiter der sozialpädagogischen Zusatzbetreuung auf, mit dem Wunsch einer gemeinsamen Bestandsaufnahme aller Unterrichtseinheiten zum Thema Sexualpädagogik sowie der Gestaltung einer Präventivmaßnahme zu diesem Themenbereich. So wurden schwerpunktmäßig Inhalte zu den Themen Verhütung, Partnerschaft, das „erste Mal“, Mutterschaft bzw. Vaterschaft, Geschlechterrollen und sexuelle Orientierung gewählt. Als weitere Rahmenbedingung zur Durchführung war wichtig, die Seminartage außerhalb der Schule zu organisieren. Hauptgrund hierfür ist, dass ein prozesshaftes Arbeiten in der Schule aufgrund der dort gegebenen Rahmenbedingungen nur bedingt möglich ist. Daher wurde als Ort das Bürgerhaus der Gemeinde Scharbeutz gewählt, in dem sich geeignete Seminarräume befinden.

 

Ziele

Die Arbeit mit den Jugendlichen basiert auf einem bestimmten Sexualverständnis, dass ich an dieser Stelle kurz erläutern möchte und vor dessen Hintergrund wir unsere Seminartage mit den Schülern geplant haben. Der Mensch ist ein sexuelles Wesen. Sexualität wird gelernt, geformt und ist veränderbar, dass heißt die Sexualität hat sich weitgehend von den Hormonen „emanzipiert“. Wir verstehen Sexualität als Quelle von Lebensenergie und Lebensfreude. Sie ist ein Teil aller Lebensbereiche und damit nicht allein auf die Intimsphäre beschränkt, sondern sie spielt überall dort eine Rolle, wo Menschen sich begegnen, also auch in der Schule. Eine der wichtigsten Phasen ist dabei ohne Zweifel die Pubertät, für deren Alterstufe die Seminare angelegt sind.

Folgende Lernziele werden von uns verfolgt:

In Bezug auf Kommunikation 

  • Sprachfähigkeit in Bezug auf Themen und Erfahrungen im Bereich Sexualität entwickeln
  • offen und respektvoll reden, ohne die eigene Person, die anderen oder das Thema abzuwerten 
  • eigene Grenzen und die Grenzen der anderen im Reden und Erleben beachten


In Bezug auf kognitive Aspekte 

  • Wissen über Sexualität erwerben 
  • den herkömmlichen Sexualitätsbegriff erweitern 
  • die Vielfalt individueller sexueller Empfindungen und Verhaltensweisen respektieren 
  • sich mit gesellschaftlichen oder gruppenspezifischen Normen und Klischees über Sexualität auseinandersetzen 
  • die Geschlechterrollen hinterfragen, differenzieren und erweitern •

In Bezug auf Selbstwahrnehmung und Verhalten 

  • die Fähigkeit zur sinnlichen Wahrnehmung weiterentwickeln bzw. verfeinern 
  • eigene Wünsche und Grenzen wahrnehmen und vertreten  lernen, klar nein und ja zu sagen 
  • den eigenen Körper und die sexuellen Bedürfnisse akzeptieren 
  • eigene Ängste wahrnehmen, äußern und klären lernen 
  • Sexualität als eine wichtige Quelle für Lebensfreude begreifen 
  • Neugier und Experimentierfreude mit Respekt für eigene und fremde Grenzen entwickeln 
  • ein positives Verständnis von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ und der eigenen Geschlechterrolle entwickeln 
  • Verantwortung für Folgen eigenen Verhaltens übernehmen

 

Organisation

Geleitet wird das Seminar von der Mitarbeiterin der AWO – Eutin und dem Mitarbeiter der sozialpädagogischen Zusatzbetreuung. Teilnehmer sind die Schüler der neunten Jahrgangsstufen. Die Seminarzeiten sind von 8:00 – 13:00 Uhr. Im Gegensatz zu den Pausenzeiten der Schule werden die Pausen innerhalb des Seminars frei und nach Bedarf gewählt. Die Seminarräume im Bürgerhaus ermöglichen eine Arbeitsform in mehreren Kleingruppen, wie sie für die inhaltliche Arbeit eines Sexualpädagogikseminars unabdingbar ist. Folgende Unterrichtsmethoden kommen überwiegend zum Tragen: Rollenspiel, Einzelarbeit, Partner- oder Gruppenarbeit, Videoeinsatz, Referate und Vorträge. Die Klassenleitungen der Schulklassen nehmen nicht am Seminar teil.

 

Folgende Arbeitsmaterialien liegen unserer Arbeit überwiegend zugrunde.
1. Sexualpädagogik. Aids- Prävention vom IPTS Schleswig Holstein
2. Aids Mappe, zum Umgang mit Aids in der Jugendarbeit, herausgegeben vom Deutscher Bundesjugendring, ISBN 3-88203-131-x
3. diverse Unterrichtsmaterialien der BZgA, siehe Medien und Materialliste für Sexualaufklärung und Familienplanung

Stand Scharbeutz den 30.10.09

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